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Wie verhalte ich mich, wenn ich diskriminiert wurde?

Ruhe bewahren und besonnen handeln!

Auch wenn Sie sich beleidigt wurden und sich durch die Diskriminierung provoziert fühlen, die wichtigste Regel in dieser Situation lautet: Ruhe bewahren und besonnen handeln! Eine lautstarke Beschwerde oder eine Beleidigung gegenüber dem Diskriminierer kann später von Nachteil für Sie sein. Lassen Sie sich nicht provozieren. Oft nutzen die Diskriminierer dies, um Sie (!) anzuzeigen, was die Durchsetzung Ihrer Rechte wesentlich erschwert.
Bleiben Sie daher möglichst ruhig und stellen zunächst fest, ob es Zeugen/Zeuginnen oder Belege für den Diskriminierungsvorfall gibt. Haben andere Kunden oder Passanten den Vorfall beobachtet, sprechen Sie diese Personen am besten direkt in der Situation an und notieren Sie Namen und ihre Telefonnummer, um sie später als Zeugen benennen zu können. Sichern Sie Belege, mit denen Sie möglicherweise die Diskriminierung beweisen können.
Nach dem Vorfall sollten Sie sofort ein Gedächtnisprotokoll anfertigen. Das ist wichtig, um nachweisen zu können, dass Sie diskriminiert wurden. Notieren Sie:
  • Wo und wann hat der Vorfall stattgefunden? (z.B. im Kaufhaus, Datum, Uhrzeit)
  • Was genau ist passiert? (z.B. ungerechtfertigte Verdächtigung durch einen Verkäufer, Taschenkontrolle in aller Öffentlichkeit durch beleidigendes Sicherheitspersonal)
  • Wer war an dem Vorfall beteiligt? (Verkaufs- und Sicherheitspersonal)
  • Wer war Zeuge/Zeugin? Welche Belege gibt es?
  • Warum wurden Sie benachteiligt? Woran können Sie festmachen, dass Sie aufgrund Ihrer Herkunft, Hautfarbe oder Sprache benachteiligt wurden?


Beanspruchen Sie schnell Ihre Rechte!

Wenn Sie diskriminiert worden sind und sich dagegen wehren möchten, müssen Sie laut AGG Schadensersatz und Entschädigungsansprüche innerhalb einer Frist von 2 Monaten geltend machen. Im Bereich des Arbeitsrechts (§ 15 Abs. 4) ist zur Einhaltung dieser Frist eine schriftliche Beschwerde an den/die Arbeitgeber/in nötig, im Zivilrecht (§ 21 Abs. 5) reicht zwar eine mündliche Beschwerde aus, sicherer ist aber der schriftliche Weg per Einschreiben. Hinweis: Die Rechtmäßigkeit der 2 Monatsfristen im AGG ist zweifelhaft. Deshalb können Sie - insbesondere im Bereich des Arbeitsrechts- auch nach Ablauf der Frist ihre Rechte nach dem AGG beanspruchen. Die Durchsetzbarkeit kann dann allerdings erschwert sein.

Klage erheben


Die vorherige Beschwerde ist keine formale Voraussetzung für eine Klageerhebung nach dem AGG. Wenn Sie direkt oder nach einer erfolglosen Beschwerde Klage vor Gericht erheben möchten, sollten Sie eine Beratungsstelle, einen Anwalt/eine Anwältin oder zumindest eine fachkundige Rechtsberatung aufsuchen. Bei der Auswahl des Rechtsanwaltes/der Rechtsanwältin sollten Sie sich vergewissern, dass diese/dieser ausreichende Kenntnisse zum AGG hat. Es gibt Anwaltvereinigungen, die Ihnen hierzu Auskunft geben können.
Organisieren Sie sich Unterstützung für das Gerichtsverfahren. Sprechen Sie mit Ihren Freunden und Ihrer Familie über die erlebte Diskriminierung und nutzen Sie beispielsweise die Angebote derAntidiskriminierungsbüros NRW oder einer anderen Beratungsstelle. So können Sie sich Rückhalt und Hilfe für das weitere Vorgehen sichern.